Wissenschaftliches Monitoring

Zur Effizienzkontrolle der durchgeführten Maßnahmen wurden die Ergebnisse der Voruntersuchungen und die weiteren Untersuchungen im Rahmen des Monitorings von Flora & Vegetation, Makrozoobenthos, Fische, Tagfalter, Gewässeranalytik sowie Sauerstoff- und Sedimentuntersuchungen im Interstitial herangezogen.


Das Monitoringprogramm wurde im geplanten Umfang an die konkreten Projektumsetzungsmaßnahmen angepasst und konnte fristgerecht abgeschlossen werden. Durch die vielen Einzelmaßnahmen auf den Flächen war es zum Teil problematisch das Monitoring entsprechend zu koordinieren. Dadurch ist es zu Änderungen und Verschiebungen einzelner Probestellen gekommen, die aber die Effizienzkontrolle nicht wesentlich beeinträchtigt haben.

Perla marginata Larve
   

Flora & Vegetation
Für das Projekt wurden anfangs 9 Probeflächen ausgewählt, von denen drei zwischenzeitlich wieder aufgegeben werden mussten, weil entweder die beabsichtigten Maßnahmen nicht durchgeführt werden konnten oder aus anderen Gründen die Zielvorgabe geändert wurde. Für zwei Flächen konnten Ersatzflächen neu in das Programm aufgenommen werden, eine Beobachtung der Entwicklung über 5 Jahre war bei diesen Flächen folglich nicht mehr möglich. 6 Flächen konnten über den gesamten Projektzeitraum beobachtet werden. Von den insgesamt 9 Probeflächen wurden 4 Probeflächen mit je zwei Dauerquadraten (16m²) ausgewählt, auf denen nach Entfernung der Fichten Grünland wiederhergestellt werden sollte. Auf 5 Probeflächen (4 davon mit je einem Dauerquadrat und eine mit 4 Dauerquadraten) sollte die Sukzession zum Laubwald dokumentiert werden.
Die Vegetationsentwicklung nach den durchgeführten Entfichtungsarbeiten auf den Maßnahmenflächen ist erwartungsgemäß sehr positiv zu bewerten. Die restituierten Grünlandflächen werden sich aufgrund der nährstoffarmen Böden mehrheitlich tendenziell zu Borstgrasrasen, teilweise auch zu Bergmähwiesen oder Glatthaferwiesen entwickeln. Bevor sich großflächig artenreiche Bestände mit ausgeprägten Blühaspekten entwickeln werden, werden noch einige Jahre vergehen. Die Effizienz von Mahdgutübertragungsmaßnahmen wurde nur fragmentarisch untersucht,wodurch keine abschließenden Aussagen hierzu gemacht werden können. Ein benachbartes Mahdgutübertragungsprojekt im Nationalpark Eifel hat aber die Effizienz der Übertragung zumindest für die ersten Jahre deutlich belegt. Wichtig ist den Übertragungszeitpunkt und die Übertragungsmenge optimal festzulegen. Die Entwicklung der Sukzessionsflächen bzw. der initial bepflanzten Flächen kann erst in den nächsten 10 Jahren richtig eingeschätzt werden.
Bachvögel
Die Brutbestandserfassung erfolgte durch eine zweimalige Begehung der Fließgewässerstrecken zwischen März und Juni 2004. Bei den Kartierungen stand die Erfassung der Zielarten Wasseramsel (Cinclus cinclus), Eisvogel (Alcedo atthis) und Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) im Vordergrund. Weitere Arten der Roten Liste Nordrhein- Westfalens oder Arten des Anhangs I der EU-Vogelschutzrichtlinie wurden ebenfalls erfasst. Auf einer Gesamtlänge von 25 km wurden an den drei untersuchten Bachläufen von Rur, Kyll und Perlenbach insgesamt 27 Reviere der Zielarten nachgewiesen: Am häufigsten war die Gebirgsstelze mit 16, gefolgt von Wasseramsel mit neun und Eisvogel mit zwei Revieren. Die höchste Dichte wurde an der Oberen Rur erreicht, hier wurden allein 18 Reviere, auf einer Streckenlänge von 8,5 km, festgestellt. Im Perlenbach-Fuhrtsbachtal (9,1 km) lagen neun Brutvogel-Reviere, während an der Kyll (7,5 km) keine der untersuchten Arten nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus wurden weitere geschützte Vogelarten zufällig und unsystematisch miterfasst (siehe Tabelle 5). Eine Wiederholungsuntersuchung ist erst in 2014 außerhalb des Projekts geplant, da sich die Maßnahmen auf die Vogelwelt erst langfristig nachweisen lassen werden.

   

Wasseramsel (Cinclus cinclus) (Bildauthor: O. Niepagenkemper) Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) (Bildauthor: O. Niepagenkemper)

Ergebnisse der Bachvögelkartierung aus 2004 als pdf-Datei

 
Fische
In den Untersuchungsjahren 2004, 2006 und 2008 fanden insgesamt 48 elektrische Streckenbefischungen an 22 verschiedenen Probestellen statt. Dabei wurden Referenzprobestellen untersucht, die in keinem direkten Zusammenhang mit durchgeführten Maßnahmen standen, um den allgemeinen Zustand der Gewässer bzw. Veränderungen zu dokumentieren. Zusätzlich wurden exemplarisch Probestellen bearbeitet, die sich im Bereich von konkreten Maßnahmen befanden, um die Auswirkung einzelner Maßnahmen auf die Fischfauna festzuhalten. Um eine gute Vergleichbarkeit der Probestellen, aber auch der einzelnen Untersuchungsjahre zu gewährleisten, wurde der Zustand der Fischfauna mit einem vierstufigen Bewertungssystem klassifiziert. Die Bewertung basiert v. a. auf den fischereibiologisch relevanten Parametern Artenspektrum, Individuendichte, Reproduktionserfolg und Altersaufbau.
Auf Grund der ermittelten Daten ist über den Untersuchungszeitraum eine allgemeine Verbesserung der Fischfauna in allen drei bearbeiteten Gewässersystemen (Obere Rur, Perlenbach und Obere Kyll) festzustellen. Die deutlichsten Verbesserungen zeigen die Bachforelle und die Koppe, wogegen die Verbesserungen bei Bachneunauge, Bachschmerle und Elritze nur vereinzelt und in geringem Umfang auftreten. Klare Zusammenhänge zwischen durchgeführten Maßnahmen und der Verbesserung der Fischfauna ergeben sich aus exemplarischen Untersuchungen zur Beseitigung von Wanderbarrieren. Besonders in kleineren Gewässern erschließen sich durch die Wiederherstellung der linearen Durchgängigkeit neue Lebensräume, die v. a. durch die Bachforelle, aber auch durch die Koppe sehr schnell besiedelt werden. Der hier festgestellte Reproduktionserfolg der Bachforelle zeigt, dass nicht nur Lebensraum, sondern auch Laichhabitate erschlossen wurden. Dies kommt auch dem Gesamtbestand des jeweiligen Gewässersystems zu Gute und verbessert im Perlenbach die Reproduktionschancen der akut vom Aussterben bedrohten Flussperlmuschel.
Im Hinblick auf Entfichtungsmaßnahmen und der Beseitigung von Gewässerverbau ergeben sich zumindest deutliche Hinweise auf eine ebenfalls positive Wirkung auf die Fischfauna. In diesen Bereichen ist zu erwarten, dass sich die positive Entwicklung in den nächsten Jahren noch fortsetzen wird. Auf Grund der Tatsache, dass ein erheblicher Teil der Maßnahmen in den letzten beiden Projektjahren umgesetzt wurde, ist davon auszugehen, dass die positiven Entwicklungen in den drei Projektgewässersystemen noch nicht abgeschlossen sind. Es ist zu erwarten, dass die durchgeführten Maßnahmen in der Zukunft noch weiter zur Entwicklung einer natürlichen Fischfauna der Gewässer beitragen.

Die FFH-Art Mühlkoppe (Cottus gobio) (Bildauthor: O. Niepagenkemper) Häufigste Fischart im Projektgebiet: die Bachforelle (Salmo trutta f. fario) (Bildauthor: H. Groß)

Ergebnisse der Fischuntersuchung aus 2004 als pfd-Datei

 
Makrozoobenthos
Im Untersuchungsjahr 2004 wurde an 31 Probestellen der Ist-Zustand von Beginn des Projektes bzw. vor der Umsetzung der geplanten Maßnahmen festgehalten. Dabei wurden Referenzprobestellen untersucht, die in keinem direkten Zusammenhang mit durchgeführten Maßnahmen standen, um den allgemeinen Zustand des Makrozoobenthon zu dokumentieren. Zusätzlich wurden exemplarisch Probestellen bearbeitet, die sich im Bereich von konkreten Maßnahmen befanden, um die Auswirkungen einzelner Maßnahmen festzuhalten. Im Untersuchungsjahr 2006 wurde das Makrozoobenthon an 8 Probestellen bearbeitet, wobei der Fokus auf bis dahin erfolgten Maßnahmen und dem Einfluss von Teichen auf das Makrozoobenthon lag. Zum Ende des LIFE-Projektes wurde 2008 die Makrozoobenthonbesiedlung an 18 Probestellen untersucht, um bis dahin eingetretene Veränderungen zu dokumentieren. Um eine gute Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten, war die Lage der Probestellen und soweit möglich der Untersuchungszeitpunkt in allen drei Untersuchungsjahren identisch.
Gegenüber der Voruntersuchung aus dem Jahre 2004 war 2008 bei den im Rur-System untersuchten Probestellen ein positiver Trend beim allgemeinen Zustand des Makrozoobenthon festzustellen. Im Perlenbach- und im Kyll-System waren keine Veränderungen nachweisbar. Zumindest die Saprobie verbesserte sich aber beim weitaus größten Teil der Probestellen. Dabei ist zu bemerken, dass zu Beginn des Projektes bereits eine gute bis sehr gute Ausgangssituation der Makrozoobenthonbesiedlung sowie der Wasserqualität vorhanden war. Die im Rahmen des Monitorings festgestellte positive Entwicklung kann durchaus auf die im Rahmen des LIFE-Projektes durchgeführten Maßnahmen zurückgeführt werden, wobei natürliche Schwankungen nicht davon zu trennen sind. An kleineren Bächen unter zwei Metern Gewässerbreite konnte die negative Wirkung von Fichtenanpflanzungen im Uferbereich, sowie eine deutliche Verbesserung der Benthonbesiedlung nach einer Entfernung der Fichten dokumentiert werden. Bei größeren Gewässern wie der Rur waren aber keine so deutlichen Zusammenhänge zwischen dieser Maßnahme und der Benthonbesiedlung herzustellen. Offensichtlich ist die negative Wirkung auf das Makrozoobenthon hier nicht so groß.
Der Erfolg der Extensivierung von Fischteichen über ein Fischteichkonzept hatte sich durch die Ergebnisse der Untersuchung von zwei bewirtschafteten Teichanlagen in 2004 bereits angedeutet. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Artenzahl, Abundanzsumme, Saprobie und Anzahl an Reinwasserarten der Probestellen unterhalb der Teichanlagen mit unbeeinflussten Referenzstellen vergleichbar sind. Im April 2006 wurden die extensivierten Fischteiche noch intensiver untersucht. Es wurden Probestellen direkt oberhalb und unterhalb von vier extensivierten Teichanlagen beprobt. Dabei konnte ebenfalls keine signifikante Beeinflussung nachgewiesen werden. Auch für Maßnahmen, wie die Umgehung von Teichen, die Beseitigung von Wanderbarrieren und die Beseitigung von Gewässerverbau konnten im Anschluss an die Maßnahme exemplarisch vergleichsweise kurzfristig Verbesserungen der Makrozoobenthonbesiedlung festgestellt werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Beseitigung von Negativfaktoren durch Maßnahmen zurückzuführen sind. Besonders die Anzahl an vorhandenen Taxa nahm nach derartigen Maßnahmen sichtbar zu. Da die positiven Wirkungen der Maßnahmen auf das Makrozoobenthon sicherlich auch mittel- bis langfristig zu sehen sind, ist von einer weiteren positiven Entwicklung in allen drei Gewässersystemen für die Zukunft auszugehen.

Der Dreiecksstrudelwurm Erwachsene Steinfliege

Ergebnisse der Makrozoobenthosuntersuchung aus 2004 als pdf-DAtei

 
   
   
Tagfalter
Die Tagfalterkartierung wurde 2008 abgeschlossen. Weite Bereiche des bereits 2004 untersuchten Gebietes wurden erneut beprobt. Einige Flächen wurden in 2008 in die Kartierung mit aufgenommen. In beiden Jahren wurden 40 verschiedene Tagfalterarten nachgewiesen. Darunter zwei Arten der Rote Liste (Eifel) Kategorie 1, vier Arten der Kategorie 2 und zehn Arten der Kategorie 3.
Die wesentlichen, bereits im Jahr 2004 erfassten Leitarten wurden auch 2008 wieder vorgefunden. Dabei hat sich die Anzahl festgestellter Teilpopulationen in den Teilgebieten Rurtal und Perlenbach-Fuhrtsbachtal sogar erhöht. Das ist als sehr positiv anzusehen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Witterungsbedingungen im Jahr 2008 für eine Tagfalterkartierung denkbar ungünstig und die erfassten Populationsdichten nicht repräsentativ waren. Die Ergebnisse aus 2008 aus dem Teilgebiet Kylltal sind kaum mit jenen der Erstkartierung vergleichbar. Dort wurde der Arbeitsumfang gegenüber dem Jahr 2004 stark reduziert. Grund dafür war die vergleichsweise geringe Anzahl an Renaturierungs-Maßnahmen im Gebiet.
Die für die Tagfalterfauna bedeutendste terrestrische Renaturierungsmaßnahme stellt die Abholzung von Fichtenparzellen im Talbereich dar. Neben der Schaffung neuer Habitate, deren Wert erst in Zukunft abzusehen ist, kommt aktuell belegbar der Schaffung neuer Ausbreitungskorridore durch die Entfichtung die größte Bedeutung zu. Die rasche Besiedelung potentieller, bisher räumlich isolierter Habitate sind durch die Maßnahmen erst ermöglicht worden. Äußerst unerwartet war der Nachweis der sehr seltenen Art Hochmoor-Perlmuttfalter (Boloria aquilonaris) in einem Gebiet. Dieser Fund deutet an, dass die durch die Naturschutzprojekte der vergangenen Jahre im Gebiet geschaffene Biotopvernetzung selbst über den lokalen Rahmen hinaus wirken könnte. Es ist denkbar, dass auch andere Tagfalter-Arten davon profitieren. Mittelfristig wird die Wiederbewaldung von Flächen, die der freien Sukzession unterliegen, die Dynamik der Migration im Gebiet allerdings wieder mindern. Das resultierende Mosaik aus Extensivgrünland und bachbegleitenden Auenwäldern sollte dennoch dazu ausreichen, den Ansprüchen der ansässigen Lepidopterenfauna gerecht zu werden. Dabei erweist sich die Präsenz von Gehölzstrukturen selbst für Leitarten von Offenlandbiotopen wie Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle) durchaus als fördernd. Eine fortgesetzte Beobachtung von Populationstrends ausgewählter Leitarten in mehrjährigen Abständen ist zu empfehlen, um zu einer noch sicheren Beurteilung des Effektes der verschiedenen Maßnahmen zu kommen. Als Monitoring-Arten kommen an erster Stelle für Feuchtwiesen Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle), Randring-Perlmuttfalter (Boloria eunomia) und Lilagold-Feuerfalter (Lycaena hippothoe), für Zwischenmoor-Bereiche Hochmoor-Perlmuttfalter (Boloria aquilonaris), für mesophiles Magergrünland Großer Perlmuttfalter (Argynnis aglaja) und für sonnenexponierte Felsfluren Braunauge (Lasiommata maera) in Frage.

   

Die FFH-Art Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle) war in den Projektgebieten relativ häufig anzutreffen. Auch der Randring-Perlmutfalter (Boloria eunomia) , ebenfalls eine Feuchtwiesenart, konnte in den Projektgebieten nachgewiesen werden.

Ergebnisse der Tagfalteruntersuchungen aus 2004 als pdf-DAtei

 
Gewässeranalyse (chemische und physikalische Parameter der fließenden Welle)
Anhand der durchgeführten Messreihen sind die Fließgewässer insgesamt den Gewässergüteklassen I bis I-II zuzuordnen und als nicht bzw. nur sehr gering belastet einzustufen. Mit einer Gewässergüteklasse von II-III war der Möllesplötzsief bis einschließlich 2007 als mäßig belastet zu bewerten. Aus dem Vergleich der gemessenen Werte untereinander lassen sich einige leichte Beeinträchtigungen ableiten. Vor allem konnte stellenweise eine leichte Salzbelastung gemessen werden, die auf Einschwemmungen von Streusalz zurückgeführt wird. Insgesamt zeigt keine der Probestellen eine deutliche und anhaltende Verschlechterung der gemessenen Parameter im Laufe des Untersuchungszeitraumes, so dass ein negativer Einfluss der durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen oder anderer Dinge auf die Gewässergüte ausgeschlossen werden kann.

Sauerstoff- und Sedimentuntersuchungen im Interstitial
In den Jahren 2004 bis 2009 wurden in den drei Projektgebieten Sauerstoffmessungen im Interstitial und Korngrößen- sowie POM-Analysen von Gefrierkernen durchgeführt. Die Sauerstoffmessungen erfolgten mit der Optodentechnik kleinräumig im Sediment in den Tiefenstufen 10, 20 und 30 cm. Ergänzend wurden jeweils der Sauerstoffgehalt und die Temperatur der fließenden Welle bestimmt sowie punktuell Temperaturmessungen in den drei Sedimenttiefen vorgenommen. Insgesamt wurden an 21 Untersuchungsstellen 154 Sondenkörper (mit jeweils drei Einzelsonden) exponiert und 1540 Einzelmessungen durchgeführt. Dabei gingen 56 Sondenkörper verloren und mussten z. T. ausgetauscht werden, mindestens 35 davon durch Vandalismus. Die Messungen des Jahres 2004 wurden als orientierende Untersuchung über insgesamt vier Monate (3 Messtermine von August bis November) durchgeführt, 2006-2007 wurde eine einjährige Untersuchung im Rur- und Perlenbachsystem vorgenommen (10 Messtermine von September 2006 bis Juli 2007). Beide Erfassungen wurden nach einem von Niepagenkemper & Meyer (2002) entworfenen Systems bewertet.
Gefrierkerne wurden von 2006 bis 2009 maßnahmenbegleitend aus allen drei Projektteilgebieten entnommen. Insgesamt wurden bei 9 Geländeterminen 72 Gefrierkerne gewonnen. Die Kerne wurden nach DIN in Korngrößenklassen differenziert und der jeweilige POM-Anteil bestimmt. Die Sauerstoffmessungen ergaben eine in allen untersuchten Gewässerabschnitten eingeschränkte Versorgung des Interstitials, die O2-Gehalte sinken in der Tiefe ab, häufig auf Werte deutlich unter 5 mg/l, oft sogar auf geringe Werte um 1 - 2 mg/l. Ein Beispiel einer frischen Kiesablagerung im Perlenbach zeigte eine deutlich bessere Versorgung, die auch nach knapp einem Jahr noch für eine Bewertung als "geeignet" als Salmonidenlaichplatz ausreichte. Da auch die juvenile Flussperlmuschel ähnliche Sauerstoffgehalte wie Salmonideneier und -larven benötigt (6 mg/l, siehe Diskussion) und sich zudem eher in den höheren - besser versorgten - Sedimentschichten aufhält, scheint die eigendynamische Entstehung frischer Kiesablagerungen ein geeignetes Mittel zur Verbesserung des Lebensraumes Mittelgebirgsbach zu sein.
Die Sedimentanalysen lieferten Belege für hohe Feinsedimentanteile im Interstitial, weshalb die Bachsohle - besonders auf Grund des hohen Schluffanteils in weiten Bereichen als kolmatiert einzustufen ist. Die Sedimente sind lagestabil, an der Oberfläche zeigt sich eine Kies-/Schotterschicht, darunter füllt das Feinmaterial die Lückenräume. Auch bei Hochwasserereignissen gerät diese Bachsohle nicht mehr in Bewegung, ein natürlicher Geschiebetrieb, der für Umlagerung und das Herauswaschen von Feinmaterial und POM Sorge trägt, fehlt praktisch überall. Durch die durchgeführten Revitalisierungsmaßnahmen konnte trotz entsprechender Gegenmaßnahmen nicht verhindert werden, dass abschnittsweise Material mobilisiert wurde und in das Interstitial absedimentiert ist. Kurz nach den Maßnahmen festgestellte Erhöhungen der Feinsedimentanteile waren in zeitlichen Abständen von ein bis zwei Jahren nach Beendigung der Arbeiten teilweise noch nachweisbar.
Insgesamt gesehen, unterscheiden sich die untersuchten Teilgebiete in ihren Feinsedimentgehalten. Für die Rur (von Kalterherberg bis zur Einmündung des Perlenbachs) wurde ein mittlerer Anteil in allen untersuchten Kernen von 11,25 % festgestellt, der Perlenbach und der Fuhrtsbach lagen bei 15,5 % (15,37 bzw. 15,67 % Feinanteile für den Wilsambach ergaben sich 24,83 %. Dies mag primär geologische Gründe haben, jedoch sind als mögliche anthropogene Einflussgrößen Einträge aus dem Wegebau und aus einem militärischen Übungsplatzes sowie auch aus land- und forstwirtschaftlichen Flächen zu berücksichtigen. Zusätzlich konnten mit Unterstützung der Uni Weihenstephan einzelne Untersuchungen mit Hilfe einer so genannten Redoxsonde im Juni 2007 vorgenommen werden. Diese Untersuchungen, die in engeren Flussperlmuschelhabitaten durchgeführt wurden, zeigen durchaus auf, dass an einigen Stellen ein Überleben der jungen Flussperlmuschelstadien möglich ist. Um abschließende Aussagen machen zu können, sollen regelmäßige Untersuchungen im Jahreslauf durchgeführt werden. Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Belastung des Interstitials mit Feinsedimenten unnatürlich hoch ist und die Sauerstoffversorgung insgesamt zu gering ist. Durch die Renaturierungsmaßnahmen ist es an einigen Stellen zur Mobilisierung von Feinsedimenten gekommen, die aber bereits vor den Maßnahmen in den Fließgewässersystemen vorhanden waren, aber v. a. durch Stauungen an diesen Stellen zurück gehalten worden sind. Als wichtige Maßnahme sollte vor den Renaturierungsmaßnahmen immer versucht werden, die Feinsedimente aus den Stauungen der Gewässer herauszuholen. Stellenweise ist es bei den Renaturierungsarbeiten auch geringfügig zum Eintrag von Feinsedimenten gekommen. Das war bei bestimmten Maßnahmen nicht vermeidbar. Das begonnene Monitoring soll in den nächsten Jahren fortgeführt und eine weitere Sensibilisierung der Landnutzer stattfinden.

Bodenanalysen
In allen Dauerquadraten wurden abiotische Bodenuntersuchungen (pH-Wert, Glühverlust, Gesamtkohlenstoff, C/N-Verhältnis, Phosphor) in unterschiedlicher Intensität durchgeführt, um die stofflichen Ablaufprozesse nach Entfichtungsmaßnahmen erfassen zu können. Grundsätzlich lassen sich stoffliche Veränderungen in der Regel nur kurzzeitig nachweisen. Nachhaltige negative Auswirkungen, z.B. in Form von Stickstofffreisetzungen, wurden nicht nachgewiesen.