Maßnahmen Karte  
 



Maßnahmen

In einem Zeitraum von sechs Jahren wurden zahlreiche Revitalisierungsmaßnahmen durchgeführt.

Eine Zusammenfassung über den aktuelle Maßnahmenstand finden sie hier


Was wurde konkret getan?



Warum mussten die Fichten weg?

Fichten sind in der Eifel nicht heimisch.

Die Fichte wurde im vorletzten Jahrhundert als sog. "Prüsseboom" (Preußenbaum) in großem Umfang in die Eifel eingeführt. Sie ist hier allerdings nicht heimisch. Ihr großflächiges Vorkommen am Gewässer hat wesentliche Auswirkungen auf die heimischen Lebensgemeinschaften: Ihre Nadeln können das lebenswichtige Laub als Nahrungsgrundlage für viele Bachbewohner nicht ersetzten, so dass die heimischen Lebensgemeinschaften verarmen und verdrängt werden. Fichtenanpflanzungen stellen auch Wanderbarrieren für am Land lebende Insekten und andere Tierarten dar und verhindern so den Individuenaustausch zwischen Lebensräumen. Auch Mikroorganismen, die natürlicherweise zur Reinigung des Baches beitragen, fehlen. Ebenso fehlen Kleinstlebensräume wie Wassermoospolster. Die Nadelstreu führt stellenweise zu einer zunehmenden Versauerung. Nicht zuletzt beschatten Fichtenforste ganzjährig den Boden, den Bachlauf und die Quellen. Das kann im Jahresdurschnitt zu einer niedrigeren Wassertemperatur führen.


Entfichtungsmaßnahme

Entlang des Oberlaufs der Rur und des Perlenbachs waren noch großflächig Fichtenaufforstungen bis zur Gewässerkante vorhanden. Im "Kyllquellgebiet" betrug der Fichtenanteil in der Gewässeraue nur noch ca. 5 %. Durch das LIFE-Projekt "Lebendige Bäche in der Eifel" wurden gewässernahe Fichtenforste in Auwälder oder auentypische Feucht- und Magerwiesen umgewandelt.


Die Schwarzerle - ein Multifunktionswunder.

Im Gegensatz zur Fichte ist die Schwarzerle eine typische Baumart der Bruch- und Auwälder und hat somit ihren Lebensraum in den Bachauen. Ihr abgeworfenes Laub ist für viele Bachbewohner die Hauptnahrungsquelle. Ihr weit verzweigtes Wurzelsystem festigt auf natürliche Weise das Ufer und bietet Fischen und anderen Bachtieren Unterschlupf. Auf ihren Wurzeln leben zahlreiche Mikroorganismen, die zur Reinigung des Baches beitragen.


Warum ist die Durchgängigkeit eines Fließgewässers wichtig?

Die Bachforelle sucht zum Laichen sauerstoffreiche Kiesbänke auf.

Nicht nur Lachse, auch kleine Fischarten und Rundmäuler wie die Groppe oder das Bachneunauge müssen wandern, um zu ihren Laichgründen sowie zu den Winter- oder Sommerlebensräumen zu gelangen. Viele Fließgewässer sind jedoch durch Wanderbarrieren (z.B. Wehre, Abstürze und Rohre) verbaut. Schon kleine Abstürze von 20 cm stellen für Kleinfischarten und Wirbellose unüberwindbare Hindernisse dar. Die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit ist daher ein wichtiges Ziel unseres Projektes.

In den drei Projektgebieten wurde die Wanderung der Bachbewohner insgesamt durch über 80 Wanderhindernisse (z.B. Wehre, Verrohrungen, Teiche im Hauptschluss) verhindert. Im Perlenbach befanden sich in sieben Nebengewässern Teiche im Hauptschluss, die die oberen Gewässerteile vom Unterlauf abtrennten. Dazu kam noch ein Wehr im Hauptgewässer. Darüber hinaus waren ca. 85 % der Nebenbäche des Perlenbachs durch Verrohrungen vom Hauptgewässer abgeschnitten. Im Bereich der Rur befanden sich vier Wehre mit unterschiedlich starker Barrierewirkung. Außerdem wurden mehrere Nebengewässer durch Teiche im Hauptschluss oder durch Verrohrungen zerteilt bzw. von der Rur abgeschnitten. Auch in der Kyll war die lineare Durchgängigkeit durch drei Teiche im Hauptschluss und Verrohrungen in nahezu jedem Nebengewässer unterbrochen. Ziel des Projektes war es, alle Wanderbarrieren zu entfernen und durch Brückenbauwerke unterschiedlicher Bauweise zu ersetzen.

Abstürze von 20 cm Höhe stellten für Kleinfischarten und Wirbellose unüberwindbare Hindernisse dar. Verrohrungen wurden z.B. durch sog. Stahlsonderprofile ersetzt.



Wiederherstellung der natürlichen Gewässerdynamik

Naturferne Ufer- und Sohlen­verbauungen wurden beseitigt.

Durch die Begradigung des Gewässerverlaufs sowie die Befestigung der Gewässersohle und der Ufer mit Betonplatten, Wasserbausteinen oder anderen Materialien ging wertvoller Lebensraum im Gewässer verloren. So waren natürliche Gewässerstrukturen wie überhängende Ufer oder das Hohlraumsystem der Gewässersohle in ausgebauten Gewässerabschnitten nicht vorhanden. Diese Strukturen waren für die heimischen Bachbewohner allerdings unverzichtbar.

Naturnaher Bachlauf



Der Gewässerausbau war im Perlenbachsystem auf einige Teilabschnitte des Perlenbachs, kurz oberhalb der Mündung in die Rur, und der Nebengewässer beschränkt. Im Bereich der Rur traten derartige Ausbaumaßnahmen am Schwarzbach und kleinen Abschnitten an der Rur auf. Überwiegend handelte es sich um Ufersicherungsmaßnahmen bei verstärkter Seitenerosion. Für die Kyll war diese Gefährdung kaum relevant.
Die vorhandenen Gewässerverbauungen sollten beseitigt werden, so dass der Bach wieder seine eigene Dynamik entfalten kann. Vielfältige Strukturen wie Prall- und Gleitufer, Kolke und Kiesbänke konnten sich dann wieder entwickeln.




Warum extensivieren?

Artenreiche Bärwurzwiese

Die Gewässerqualität wurde durch Nährstoffe aus der landwirtschaftlichen Nutzung belastet. Die Nährstoffe wurden in Form von Mineral- oder organischem Dünger (Gülle) auf die Felder gebracht. Wurden mehr Nährstoffe aufgebracht, als die Pflanzen aufnehmen können, entstand ein Nährstoffüberschuss. Diese Nährstoffe wurden ausgewaschen und es kam zur Eutrophierung der Gewässer.
Durch die Extensivierung (Verminderung der landwirtschaftlichen Produktion) der landwirtschaftlich genutzten Flächen im Projektgebiet sollte der Nährstoffeintrag in die natürlicherweise extrem nährstoffarmen Gewässer minimiert werden. Dazu gehörte die Schaffung von Gewässerrandstreifen, die einen sehr effektiven Schutz vor diffusen Einträgen bieten.

Im gesamten Projektgebiet fand bereits eine extensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Auenbereiche statt. Im Rahmen des Projektes sollte sie über das Kulturlandschaftsprogramm der Kreise weiterhin ausgeweitet werden.


Warum sind erhöhte Einträge von Feinsedimenten schädlich?

Das Lückensystem der Gewässersohle (Interstitial) ist der entscheidende Lebensraum für viele Wasserinsekten und die Jugendstadien von Flussperlmuscheln. Fischarten oder Rundmäuler wie die Bachforelle oder das Bachneunauge sind ebenfalls auf ein offenes Lückensystem als Laich- und Larvenhabitat angewiesen. Der Verschluss des Interstitials durch Feinsedimente war offensichtlich ein entscheidender Grund für das Ausbleiben junger Flussperlmuscheln im Perlenbach. Negative Auswirkungen auf die kieslaichenden Fischarten waren ebenfalls wahrscheinlich. Darüber hinaus bedeutete eine starke Gewässertrübung grundsätzlich für alle im Wasser lebenden Organismen einen nicht zu unterschätzender Stressfaktor.

Nach starkem Regen wurde die Feinsedimentbelastung der Gewässer besonders deutlich.

Die Hauptquellen der Feinsedimente sind ackerbaulich genutzte bzw. vegetationsfreie Flächen, unbefestigte Furten oder starke Erosion. In den Perlenbach gelangte der größte Teil der Feinsedimente über den belgischen Truppenübungsplatz Elsenborn. Hier befanden sich sehr ausgedehnte, vegetationsfreie Brandschneisen und mehrere unbefestigte Furten, die von schwerem Gerät genutzt wurden. Der Truppenübungsplatz liegt außerhalb des Projektgebietes, so dass keine Projektmaßnahmen in diesem Gebiet durchgeführt werden mussten. In Absprache mit der Standortverwaltung sollte der Sedimenteintrag deutlich und nachhaltig reduziert werden. So sind die Problembereiche erfasst und erste Sedimentationsbecken unterhalb von Brandschneisen gebaut worden. Zusätzlich waren eine stärkere Befestigung von etwa zehn Furten, eine schonende Unterhaltung der Straßengräben und eine Sensibilisierung des Militärpersonals vorgesehen. Im weiteren Verlauf des Perlenbachs sowie im Bereich der Rur und der Kyll waren die Feinsedimentquellen kleinräumig und verstreut vorhanden. Es handelte sich dabei überwiegend um unbefestigte Furten und kleine Teilabschnitte mit fehlender Ufervegetation und verstärkter Seitenerosion. Vereinzelt traten erhöhte Feinsedimenteintäge auch nach Kahlschlägen oder der sporadischen Nutzung eines Steinbruchs an der Kyll auf.